Aktive Medienarbeit im Online-Format

Letztes Wochenende habe ich an der Hochschule Mannheim im Fachbereich Sozialwesen erneut mein Seminar zur „Aktiven Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen“ durchgeführt. Aufgrund der Einstellung des Präsenzlehrbetriebs musste ich die Veranstaltung dieses Mal online anbieten. Nach einer kurzen Irritation – Wie soll das funktionieren? Aktive Medienarbeit über das Internet unterrichten? Und das Seminar ist doch bereits in 7 Tagen! – hatte ich recht schnell einen Plan wie sich sowohl die theoretischen als auch die praktischen Inhalte vernünftig in Form eines Webinars vermitteln lassen.

Um vorweg zu greifen: Sowohl die Teilnehmer als auch ich waren positiv überrascht wie gut das Online-Format funktionierte.

Die Ergebnisse

Nicht überraschend war das vorherrschende Thema bei den Erklärvideos das Corona-Virus. Viele Teilnehmer erstellten kurze Clips zum richtigen Händewaschen und Social Distancing. Es gab aber auch spannende Tipps, um den vielen Falschinformationen nicht auf den Leim zu gehen.

Bei den Trickfilmen zeigten die Teilnehmer sehr viel Kreativität. So wurden neben Lego- und Playmobilfiguren viele Lebensmittel wie Obst und Gemüse animiert. Es gab aber auch zahlreiche Legetrickfilme:

Die Inhalte

Normalerweise behandle ich in dem Seminar sowohl die Themen Audio- als auch Videoarbeit. Mit der Fülle an Themen und Tools befürchtete ich aber, die Studierenden abzuschrecken. Denn dieses Mal mussten sie den Großteil der Themen ja ganz alleine erarbeiten im „Home Office“ ohne Unterstützung durch eine Gruppe oder die Dozentin vor Ort. Deshalb entschied ich mich, mich in diesem Seminar auf die Videoarbeit zu fokussieren. Bei den praktischen Aufgaben wählte ich bewusst solche, die problemlos in Einzelarbeit bearbeitet werden konnten wie bspw. die Erstellung eines Trickfilms oder eines Erklärvideos. Die Teilnehmer experimentierten außerdem mit verschiedenen Mitteln der Bildgestaltung wie Perspektive und Einstellungsgröße.

Die Technik

Für die Erstellung der Bilder und Videos standen den Teilnehmern ausschließlich ihre eigenen Geräte wie Smartphones und Tablets zur Verfügung. Kameras, Stative & Co, die ich sonst vom Medienzentrum und der Hochschule ausleihe, konnten nicht ausprobiert werden.

Das sehe ich aber absolut unproblematisch. Natürlich ist es toll, auch mal mit professionellen Kameras zu arbeiten, die man in Medienzentrum erhält. Aber letztlich sind Smartphones auch die Geräte mit denen die spätere Zielgruppe der Studierenden tagtäglich agiert.

Ich stellte den Teilnehmern noch diverse Bastelideen zur Verfügung, um mit einfachen Mitteln Stative zu bauen (z. B. DIY-Trickfilmbox oder Flaschenstativ).

So waren sie gut ausgestattet, um ihre ersten eigenen Videos zu produzieren.

Die Collaboration-Tools

Als technische Lösungen für die virtuelle Zusammenarbeit nutzte ich Cisco WebEx Meeting und die Lernplattform Moodle.

Über die Moodle-Instanz der Hochschule kommunizierte ich alle relevanten Informationen zum Seminarablauf sowie notwendige technische Vorbereitungen auf Seiten der Teilnehmer. Außerdem legte ich hier die Materialien und Aufgaben für die Selbstlernphase ab.

Für die gemeinsamen virtuellen Treffen nutzten wir WebEx Meeting, das aktuell netterweise kostenfrei angeboten wird! Die Interaktion über Chat, Audio und Video funktionierte einwandfrei. Ich wählte mich sowohl über meinen Laptop als auch über mein Tablet in die Konferenz ein. So konnte ich problemlos die Videobearbeitungsprogramme vorstellen und den Studierenden vorführen wie man bspw. mit der App „Stop Motion Studio“ einen Trickfilm erstellt.

Der Ablauf

Die Veranstaltung lief über 1 1/2 Tage. Tag 1 startete mit einer Kick-Off-Konferenz mit WebEx über ca. 3 Stunden in der ich den Studierenden die Grundlagen der aktiven Videoarbeit vermittelte. Dann ging es in die Selbstlernphase. Vier verschiedenen Aufgaben hatten die Teilnehmer zu bearbeiten. Dafür nutzten sie ihre eigenen Smartphones und Tablets. Die notwendige kostenfreie Software hatten sie sich bereits vorab installiert. Ich hatte m Vorfeld entsprechende Programme sowohl für Android- als auch iOS empfohlen.

Bei Fragen und Problemen war ich während der Selbstlernphase per E-Mail und telefonisch zu erreichen. Außerdem hatte ich über WebEx zwei 30-minütige Online-Sprechstunden aufgesetzt. Zum Abschluss von Tag 2 trafen wir uns wieder alle in einer Online-Konferenz. In diesem Rahmen präsentierten die Teilnehmer ihre Ergebnisse, wir reflektierten gemeinsam die unterschiedlichen Aufgaben und besprachen was gut geklappt hatte und was weniger.

Weiteres Vorgehen

Es wird im April einen weiteren Seminartag geben. In diesem werden die Teilnehmer in Kleingruppen eigene medienpraktische Projekte konzipieren, durchführen und präsentieren. Die Ideen dazu entwickelten sie bereits am Ende von Tag 2. Nach einem gemeinsamen Brainstorming teilten sich die Studierenden in Interessengruppen auf und besprachen – in „virtuellen Kleingruppen“ – ihre Gedanken. Bei der Planung achteten sie darauf, die Projekte  so zu strukturieren, dass eine Zusammenarbeit auch virtuell möglich sein sollte für den Fall, dass auch Ende April noch der Präsenzlehrbetrieb eingestellt sein wird.

Die Studierende werden Trickfilme zu Kinderbüchern und Erklärvideos zu aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit und Ernährung erstellen. Eine Gruppe hat sich entschieden, gemeinsam ein Hörspiel zu produzieren. Ich bin schon sehr gespannt auf die Umsetzung der verschiedenen Projekte!