Erfahrungen mit medienpädagogischen Online-Angeboten

Seit zwei Monaten führe ich meine medienpädagogischen Angebote jetzt coronabedingt ausschließlich in Form von Webinaren durch. Meine Erfahrungen im Bereich der Aus- und Fortbildung von (jungen) Erwachsenen sind durchweg positiv.

Was konnte ich in den letzten Wochen ausprobieren?

  • Aktive Video- und Audioarbeit mit Studierenden und Auszubildenden an Hoch- und Fachschulen
  • Medienpraktische Workshops mit Lehrkräften
  • Fortbildung von BibliothekarInnen im Bereich „Robotik und Programmieren“

Wenn man Workshops zur aktiven Medienarbeit online durchführen möchte, sind im Vergleich zu Präsenzveranstaltungen einige Besonderheiten zu beachten.

Aktive Medienarbeit in Form von Online-Workshops

Es gibt viele Formate der aktiven Medienarbeit, die sich online tatsächlich sehr gut umsetzen lassen. Im Unterschied zu Präsenzveranstaltungen muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Teilnehmer

  1. keine umfangreiche Technikausstattung zur Verfügung haben,
  2. keine einheitlichen Geräte nutzen und
  3. alleine arbeiten müssen.

ad 1. Eingeschränkte Technikausstattung

Während ich normalerweise Kameras, Audiorecorder, Roboter, Tablets, Stative usw. über die lokalen Medienzentren organisiere, müssen aktuell Smartphone und Computer der TeilnehmerInnen als Hilfsmittel für die Projektumsetzung ausreichen.

Das ist aber tatsächlich in den wenigsten Fällen eine Limitation. Das Smartphone ist ja bekanntlich ein Alleskönner und kann als Fotoapparat, Videokamera und Audiorecorder gleichermaßen benutzt werden. DIY-Ideen zum Bau von Stativen für Smartphone oder Tablet gibt es im Internet reichlich.

Da fragt man sich rückblickend schon, warum man immer so Unmengen an Technik durch die Gegen geschleppt hat und nicht schon früher stärker auf „Bring your own device“ gesetzt hat.

Gerade im Bereich Robotik und Programmieren stößt man allerdings ohne „Zusatztechnik“ schnell an Grenzen. Die kostenfreie Programmierumgebung „Scratch“ ist auf jeden Fall klasse. Für meine laufende Fortbildungsreihe in den Öffentlichen Bibliotheken in NRW haben wir uns allerdings dafür entschieden, die entsprechende Technik vorab per Post in die Einrichtungen zu schicken. Zwei Koffer sind leider schon seit einigen Wochen auf Reisen… Ich hoffe, dass sich die Lieferzeiten bei DHL zeitnah wieder etwas normalisieren.

ad 2. Unterschiedliche Software

Etwas schwieriger für mich ist die Tatsache, dass die TeilnehmerInnen jetzt mit ganz unterschiedlichen Geräten und deshalb auch mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten. Arbeiten meine Gruppen in Präsenzveranstaltungen bspw. einheitlich mit dem Videobearbeitungsprogramm iMovie (iOS und macOS), muss ich jetzt auch für Windows und Android kostenfreie Alternativen kennen, verstehen und den TeilnehmerInnen vorstellen.

ad 3. Einzelarbeit

Die Nutzung geeigneter Tools zur Online-Kollaboration erlaubt auch im virtuellen Raum die Arbeit in (Klein-)Gruppen, um gemeinsam größere Medienprojekt umzusetzen. Nichtsdestotrotz befinden sich die TeilnehmerInnen nicht im selben Raum, sodass gerade im Bereich der Video- und Fotoarbeit bestimmte Formate nicht umsetzbar sind.

So lasse ich „meine“ Studierenden und Auszubildenden bspw. unheimlich gerne Trailer erstellen. Dies funktioniert mit virtuellen Gruppen allerdings nicht. Stattdessen üben sie die Videoproduktion jetzt anhand von Erklärvideos im Legetrick-Stil. Und anstatt sich gegenseitig als Superhelden in Szene zu setzen (Fotoübung zum Thema Bildgestaltung/Einstellungsgrößen), fotografieren sie halt ihre Haustiere oder Familienmitglieder. Und im Notfall funktioniert das Ganze auch mit einem Stofftier. Mit etwas Phantasie und Kreativität finden sich in den meisten Fällen tolle Alternativen für den virtuellen Raum.

Ausblick

Mit Kindern und Jugendlichen konnte ich in den letzten zwei Monaten leider nicht arbeiten. Die Schulen, Bibliotheken und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit waren viele Wochen geschlossen und mussten sich auf die Wiederöffnung unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften vorbereiten. Langsam wird jetzt aber auch hier versucht, für Kinder und Jugendliche Freizeitangebote in den digitalen Raum zu verlagern.

Ende Mai und Anfang Juni werde ich meine ersten beiden Online-Workshops für Jugendliche anbieten. Ich bin sehr gespannt wie das funktionieren wird.

Außerdem werde ich im kommenden Wintersemester mein erstes Online-Seminar zum Thema „Jugendmedienschutz“ an der Hochschule Mannheim durchführen. Mit der Konzeptarbeit habe ich noch nicht begonnen, bin mir aber sicher, dass sich diese Inhalte auch auf diesem Weg sehr gut vermitteln lassen. An einem Konzept für einen „digitalen Escape Room“ arbeite ich aktuell ebenfalls. Da sehe ich auch sehr viel Potential.